Südafrika Blogeintrag 2, januar bis Ende Februar, ca 15 min Lesezeit




Südafrika Blogeintrag 2, 14.2.2017

Sobald Dominik und ich wieder einigermassen fit waren, sind wir also von unserem heim in kapstadt, dem ashanti gardens backpacker aufgebrochen. Nach einigen Tagen an einem Ort heisst das immer mehrere stunden material wieder ordnen und packen, sämtliche gewaschene kleidung und elektrogeräte wieder einzusammeln, fahrrad checken, noch was essen damit man das nicht unterwegs gleich machen muss, wasservorräte auffüllen, evtl nochmal zur tankstelle und benzin und reifen checken und einkaufen. Dann stellt sich jedes mal die überraschung ein: man hats schon wieder nicht vor 11 geschafft loszukommen. Immer wieder überraschend.

Es ging dann jedenfalls- nach einer kleineren abschiedszeremonie im ashanti- irgendwann los und dominik und ich haben uns wieder mal mit unserem lastwagen gefangen im körper eines fahrrads durch kapstadt treiben lassen. Auf dem Weg quer durch kapstadt wollten wir noch die kirstenbosch botanical gardens besuchen, die wegfindung dorthin hat sich dann jedoch insofern als etwas schwierig gestaltet, da die einzig einigermassen vernünftige verbindung dorthin der motorway ist. Das war dann schon wirklich unangenehm, da dank linksverkehr die zufahrten manchmal auf der überholspur waren und wir dann- ohne wirklich nach hinten schauen zu können- des öfteren alle 3 spuren queren mussten um wieder auf den randstreifen zu kommen. Und das mit 10 kmh bergauf. Der Südafrikaner würde sagen: "Joooch. Hectic". Warum die autofahrer dann die ganze Zeit hupen lässt sich auch nicht immer genau sagen, da man mit dem rad eh permanent angehupt und angelacht wird. wir haben uns eingeredet, dass die ein solch gigantisches fahrrad auf der autobahn total gut finden und uns grüßen wollen. Kann aber auch was anderes gewesen sein.
Wir sind dann jedenfalls so schnell wie möglich runter von der schnellstrasse und sind erstmal 2 stunden durch die botanischen gärten geschlendert und haben entspannt.

Danach gings dann weiter nach osten und nix wie raus aus kapstadt. Auf dem Weg den uns das navi ausgespuckt hatte ging es dann quer durch 2 größere townships kapstadts, philippi und guguletu, was durchaus auch eine erfahrung war. Die menschen dort haben noch viel häufiger und überschwenglicher auf das fahrrad reagiert, die leute am strassenrand johlen und klatschen, manche feuern einen an und hin und wieder fährt ein auto oder ein bus neben einem her bis auch wirklich jeder im auto das rad mit einem leicht ungläubigen gesichtsausdruck und viel hin und hergerufe ausgiebig betrachten konnte. Dort kam dann das erste mal so richtiges afrikafeeling bei mir auf und ich dachte einfach nur:"So hatte ich mir das eher vorgestellt als in frankfurt 2.0." Das handy hat uns dann netterweise kurze strecken auch noch quer durch die viertel gelotst wo wir auch entsprechend aufmerksamkeit erregt haben. Nach 20 km Kapstadt sind wir dann endlich mal am heissen, flach gelegenen (die townships kapstadt befinden sich alle in den heissen und unwirtlichen cape flats) und sandigen stadtrand kapstadts angekommen.

Von dort aus gings dann erstmal nach stellenbosch und weiter über einen sehr schönen pass nach franschhoek mitten in die weinfarmen zwischen den bergen. Dort haben wir dann sehr zurückgezogen in einer schönen backpackerlodge "residiert" und uns die wunderschöne gegend angeschaut, sind zum franschhoek pass gewandert und haben ein bisschen entspannt.

Die nächste etappe, die dann leider auch schon dominiks schlussetappe war, führte uns dann nach paarl, wo wir dann den bisher steilsten anstieg zum taal monument (ein sprachmonument für die sprache afrikaans, eine abwandlung des niederländischen) auf einem berg an den Hängen eines gigantischen Granitdoms erklommen haben. Das monument selber ist weithin sichtbar und sieht aus wie irgendein science fiction palast oder ein alienraumschiff. Schon bisschen komisch.

Als Dominik mich dann verlassen musste um wieder heimzufliegen stand ich dann das erste mal wirklich alleine da, mit einem leichteren fahrrad zwar, aber mit dem leicht beängstigenden gefühl im bauch: alles klar dann fahre ich also mal alleine los, da vorne über den pass in den bergen und dann mal weiter nach nordosten, laut karte ist da irgendwo äthiopien, also dann mal los. Schon ein sehr besonderes gefühl muss ich sagen.

So bin ich dann mitten in der größten hitze die 600 höhenmeter des DuToitskloof Pass hochgeradelt. Unterwegs hat mich dann jemand angehalten und mir angeboten bei seiner farm oben auf dem pass meine wasservorräte wieder aufzufüllen, was ich dann auch gemacht habe. Direkt neben dem Gelände seiner farm war ein trupp von 10 feuerwehrmännern stationiert, die 2 tage vorher diese farm vor einem riesigen buschfeuer gerettet haben. Solche feuer gibt es hier immer wieder und oft sind ganze landstriche niedergebrannt. Da die letzten winter, die normalerweise viel regen bringen und die wasservorräte wieder auffüllen jedoch sehr trocken waren hat es diesen sommer unnatürlich viele buschfeuer und vielen farmern geht das wasser aus, um die felder zu bewässern.
Nachdem die Feuerwehrmänner da oben 2 tage nur rumsassen um zu kontrollieren ob das feuer unter kontrolle ist könnt ihr euch sicher vorstellen was da dann los war als ich mit dem rad dort aufgekreuzt bin. Wie auf dem Jahrmarkt war das. Jeder will alles wissen und jeder will mal auf dem rad sitzen und ein foto. Da schlug mir dann plötzlich ziemlich viel interesse entgegen, und nachdem einer der feuerwehrmänner beim aufsteigen aus versehen das rad für ein paar meter in Gang gesetzt hat und dann furchtbar erschrocken ist, da er sich dann natürlich mit der lenkung sehr schnell anfreunden musste (inmitten einer horde von 2 meter muskelbergen)hatten wir auch alle ordentlich was zum lachen. Auf der anderen Seite vom Pass gings dann wunderschöne 15 km in feinstem alpinpanorama bergab, dann nochmal 15 km auf der autobahn durch die berge und schliesslich nach worcester, wo mich dann ein ehepaar in ihrer ferienhütte im worcester yacht club aufgenommen hat. Dort hab ichs mir dann in nem richtigen bett und bei gutem essen einen tag lang gutgehen lassen und oben auf dem berg neben dem yacht club das erste mal in südafrika ein bisschen gebouldert, ohne bouldermatte war das schon "extra spicy".

So bin ich dann am nächsten tag natürlich viel zu spät, ca um 4 losgekommen, ich dachte ich vermeide dadurch ein bisschen die brutale mittagshitze und da ab worcester die klein karoo, eine art halbwüste beginnt, wird es dort sehr heiss und sehr trocken. Was ich jedoch nicht bedacht hatte waren die windverhältnisse und mir wurde dann recht schnell klar, dass es keine gute idee ist, nach 3 uhr nachmittags richtung osten zu radeln, da ab etwa der zeit starke winde aufkommen, die direkt aus der richtung kommen in die ich wollte. Und mit stark meine ich stetig 30 kmh wind von vorne, ich fahre 4 stunden für 20 km durch eine halbwüste und ab und zu weht mich eine böe fast von der strasse. Es hat natürlich an dem tag nicht mehr geklappt nach robertson zu kommen, einzig das umdrehen und das wahnsinnig komische gefühl plötzlich im höchsten gang mit 50 kmh berge raufzurasen die man nicht lange zuvor im ersten gang runtergestrampelt hat und dabei auch noch windstille zu haben war an diesem tag etwas positives. In worcester wurde ich dann in meiner verzweiflung nachts von einer supernetten farmerfamilie aufgenommen und quasi direkt dazu verpflichtet mindestens einen tag zu bleiben und mit freunden der familie zu braaien (grillen hat hier nochmal einen ganz anderen stellenwert in der gesellschaft) und am pool zu chillen. Das hab ich mir natürlich nicht zweimal sagen lassen nach dem desaster am Vortag.

Nach diesem Zwischenfall hab ichs dann tatsächlich geschafft mal richtig früh loszufahren und bin dann in montagu, was praktischerweise so ein kleines südafrikanisches klettermekka ist, beim klettercampingplatz auf den merlin getroffen, der sich nach kurzer bedenkzeit (aber wirklich sehr kurz) dazu entschlossen hat, mitzuradeln. Immer super wenn man auf einmal vor jemandem steht der unerklärlicherweise ähnlich denkt wie man selbst und einfach sofort sagt: "klar bin ich dabei, wo fahren wir denn hin. Wie wäre es mit klettern?" Ziemlich verwirrend, auch die ganzen philosophischen erklärungen und ansichten die mir durch merlin nahegebracht wurden und die mir immer noch zu schaffen machen. (Ich versuche seither mit naturwissenschaftlichem Wissen gegenzuhalten stosse aber immer wieder auf eine Mauer von Unverständnis und Desinteresse- die zirkulargletscher waren auch mal eine theorie, was würde wohl platon dazu sagen?).
Wir sind dann noch einen oder 2 tage zusammen geklettert und dann losgedüst, mitten durch die klein karoo. Der erste stopp war in ladismith wo wir wieder bei einer farm untergekommen sind. Am nächsten morgen hat es -womit niemand so richtig gerechnet hat- dort das erste mal seit 6 monaten wie aus kübeln geschüttet. Die farmer haben sich darüber natürlich ziemlich gefreut, für uns wars eher ungünstig, denn es wird dann schon auch empfindlich kühl. Blieb uns nicht viel übrig als erstmal direkt vor dem supermarkt Frühstück zu kochen, einzukaufen und dann mit spülhandschuhen an den händen irgendwann weiterzufahren. Ein Bild für die Götter.

Im regen zu fahren hat sich dann nicht gerade als sinnvolle fortbewegungsart herausgestellt. Die regenkleidung funktioniert zwar einwanfrei und die quietschgelben Spülhandschuhe tun auch was sie sollen (lustig aussehn und damit zu unserem erscheinungsbild des hippie- wanderzirkus beitragen) aber nach ner stunde in regenklamotten fahren ist man so nass das man gleich ohne die regensachen hätte fahren können. Und das nicht vom regen. Glücklicherweise für uns hat es nach ein bis 2 Stunden wieder damit aufgehört und wir konnten bei den gewohnten 35 Grad in der prallen sonne weiterradeln. Auf der Hochebene der klein karoo kurz nach barrydale hatten wir dann auch noch nen gemütlichen stetigen rückenwind der uns in einem affenzahn in richtung ladismith gepustet hat. Auf der strecke befindet sich eine kleine kuriosität mitten im nirgendwo, in einer landschaft, die einen eher an den Wilden Westen der USA erinnert: ein kleines café an der strasse mit namen "Ronnies Sex Shop". Eine ehemalige einsturzgefährdete lehmhütte die von ronnies freunden eines nachts nach einer (vermutlich heftigeren) party eigenmächtig von Ronnie's Shop in Ronnie's Sex Shop umbenannt wurde. Eigentlich kein weltbewegender Vorgang sollte man meinen, passiert schliesslich in jeder deutschen Studentenstadt 10 mal pro nacht. Jedenfalls ist der mittlerweile ausgebaute, terrassierte und mit allerlei krimskrams, flaggen, shirts und hauptsächlich BH behangene kleine laden heute anscheinend eine DER Touristenattraktionen der region. Ok, das wundert einen auch nicht groß, wenn man sich die landschaft aussenrum ansieht ist dort einfach 300 km aussenrum nichts. Wie absurd dieser Ort tatsächlich ist und dadurch auch so ein bisschen die Situation in Südafrika und die vielfältige Kultur und riesen Unterschiede zwischen arm (farbig) und reich (weiß) repräsentiert, wurde dann klar als sich zur fast ausschliesslich weißen kundschaft des cafés (wie auch der fast aller anderen cafés und restaurants in denen wir bisher waren) noch eine gruppe mehrerer männer gesellt hat, die dort mit einer flotte von supersportwagen (lamborghinis und ähnliches) aufgetaucht sind und angefangen haben, lautstarke kurzstreckenrennen auf der schnurgeraden wüstenstrasse auszutragen. Die haben sich dann auch überhaupt nicht davon abbringen lassen uns -sobald sie unser doch um einiges beeindruckenderes fortbewegungsmittel gesehen haben- auch noch 100 rand zu schenken. Die wir uns dann geschworen haben zu versaufen- schwachsinn sich auch noch von leuten in rennwägen Geld schenken zu lassen nur weil man mit dem fahrrad fährt, als ob man dadurch schon bedürftig wäre. Mir kams genau andersrum vor. Das ist an sich schonmal komisch genug, autorennen mit solchen millionärsvehikeln (oder geliehenen) mitten in der pampa vor Ronnie's Sex Shop, würde man nicht 50 km später plötzlich an einem riesen township vorbeiradeln, wo leute massenhaft versuchen gerade so zu überleben, zu trampen oder einfach zusammengesunken mit hängendem kopf auf den armen am strassenrand sitzen.

Gut beobachten lässt sich das auch bei der campingmentalität der weissen südafrikaner. Gecampt wird hier nach dem Motto Go big or go home. Man nimmt einfach alles mit, zur not fährt man halt mit 3 fetten weissen riesenpickups (US-amerikanischen Riesenschlachtschiffe welche es in Deutschland schon kaum gibt). Und da kommt einfach alles rein, Sofas, Sessel, Grill, Fernseher, Kühlschrank, ausrollbarer Rasen, mehrere Tische und Bänke, Pavillon, Liegestühle etc. Dann noch der Wohnwagen hintendran und schon kann man überall sein Wohnzimmer nachbauen. Auf jeden Fall lustig anzusehen, die Reaktionen wenn wir dann aufkreuzen "equipped like hobos", also ausgerüstet wie obdachlose. Wobei sich das rad ja so schon steuert wie ein stocherkahn, noch schwerer müsste es echt nicht sein.

Einer der nächsten Stops war dann Calitzdorp, ein verschlafenes Nest, wo wir im schönsten Café in dem ich je war einen nachmittag entspannt haben um dann auf einem sehr interessanten campingplatz zu campen. Direkt neben einer recht hohen und leider sehr bröseligen Konglomeratwand befindet sich dort ein stillgelegter Bahnhof auf dessen 2 Gleisen noch 2 Draisinen rumstehen. Mit denen sind wir dann schön hin und her gefahren während ich an meinen Gitarrenkünsten gearbeitet habe. Dort haben wir auch zusätzlich zu den netten Besitzern auch noch eine coole Familie aus Wilderness kennengelernt, deren etwa 8- jährige Tochter auch sehr begeistert von den Draisinen war. Die ist im rosa Kleid und einer Spieluhr, auf der sich eine ballerina im kreis dreht die ganze Zeit rumgefahren. Ein Anblick wie er eigentlich nur zu Alice im Wunderland passt. Kleines mädchen mit Spieluhr auf 400 kg Draisine. Beim Verlassen von Calitzdorp haben wir dann noch die Gründer des Cape Town Naked Bike Race kennengelernt, leider sind wir zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr in Südafrika und ich müsste wohl mal beim Operator (Patrick) in Tübingen anfragen ob das wohl auch zur Idee der Tour4life passt. Es gibt hier schon so einige lustige Tage.

Die nächsten tage liefen dann nach dem immer selben Schema ab: sleep, eat, cycle, repeat. Hat auch super funktioniert, wir sind ganz gut vorangekommen bis wir schliesslich oudtshoorn erreicht haben, wo wir wussten dass es dort 30 km nördlich eine riesige höhle zu besichtigen und viele traumhafte kletterrouten zu klettern gibt.

Beim ankommen in oudtshoorn hat uns dann direkt vor dem supermarkt ein Journalist der dortigen Zeitung abgepasst, schnell ein paar fotos gemacht und uns nach den Hintergründen der Tour befragt. Wir waren wie Superhelden in oudtshoorn unterwegs als wir den artikel (in afrikaans) dann endlich gefunden und übersetzt hatten. Zumindest kamen wir uns so vor.

Ein tag entspannen muss schon drin sein, dachten wir uns und sind dann nachts vor lauter langeweile und weil wir unsere beine schon zu lange nicht mehr in den gewohnten kreisen bewegt hatten doch wieder kreuz und quer durch die stadt gefahren auf der suche nach einem ort "wo was geht". Fehlanzeige, ausser in kapstadt sind die städte nach 10 hier menschenleer. Eine gruppe von bauarbeitern, die glasfaserkabel verlegt haben, haben uns dann so laut begeistert hinterhergegrölt, dass wir einstimmig zu dem entschluss gekommen sind, dass dort das maximum an unterhaltung in oudtshoorn zu finden ist. Also nix wie hin und natürlich einen super abend gehabt. Mit anderen scheinbar zufälligen leuten 2 leuten beim arbeiten zugeschaut, diskutiert warum dieses oder jenes so nicht funktionieren kann, alle anwesenden der reihe nach mit dem rad durch die gegend gefahren und eine kleine lektion in südafrikanischem Rechts- und Organisationssystem erhalten. Wie bekommt eigentlich jemand ohne jegliche Vorkenntnisse einen Job beim desaster emergency response management- also telefonische hilfe in extremsituationen wie naturkatastrophen. Und was macht er dann wenn plötzlich jemand am anderen Ende der Leitung in einer lebensbedrohlichen Situation ist und er hat null Erfahrung mit sowas. Wie läuft das ab, wenn eine relativ große Stadt wie Oudtshoorn in einem Jahr plötzlich überhaupt kein Geld mehr hat weil durch Korruption plötzlich alles auf Privatkonten landet und daraufhin auf einen Schlag die halbe Stadtverwaltung im Knast sitzt. Und was haben eigentlich die ganzen Polizisten mit ihren Autos (welche im übrigen eine kleine Gefängniszelle auf der Pritsche haben) vor, die im Abstand von wenigen Minuten immer im Schrittempo an uns vorbeifahren? Versammelt sich eine Gruppe Menschen unterschiedlichster Hautfarbe in Südafrika zu einer solch unchristlichen Uhrzeit muss das wohl eine konspirative Zusammenkunft sein oder zumindest mit massenhaftem Rauschgifthandel zu tun haben und gehört daher überwacht.

Am nächsten morgen haben wir uns dann schliesslich aufgemacht, zu den Cango Caves zu radeln und sind unterwegs noch völlig spontan bei einem Schulprojekt für unterpriviligierte Kinder reingeschneit. Die Rektorin hat uns dann erklärt, was das für eine Schule ist, wie sie funktioniert, woher die Kinder sind und wie sich das Projekt finanziert. Das ganze war sehr bewundernswert und inspirierend, ein solches Projekt auch nur am laufen zu halten, die Kinder jeden tag von überall her einzusammeln, der Kontakt zu den Eltern und das Verständnis dafür zu wecken, dass es für die Kinder gut ist, zur Schule zu gehen und nebenher noch die nötigen Gelder aufzutreiben, welche zu einem großen Teil aus europäischen Spenden stammen. Daraufhin wurde dann einer der älteren Klassen unser Projekt erklärt und natürlich das Fahrrad ausgiebigst vorgeführt (wie immer kommen die hupen und unsere mittlerweile ausgefeilten hupkonzerte am besten an), während wir völlig verständnislos grinsend (erklärt wurde auf afrikaans) neben dem rad standen und einzelne Gepäckstücke auf kommando präsentiert haben.

Das war wieder eine der superschönen spontanen Aktionen die durch die gemütliche Fortbewegungsweise mit dem Rad und dadurch dass man schon während dem fahren Kontakt mit Menschen aufnehmen kann überhaupt erst zustande kommt. Mit dem Auto wären wir an der Schule einfach vorbeigerast. Dafür wären wir auf den folgenden 25 kilometern bergauf bis zur Höhle und dem klettergebiet mitten im Nichts mit dem Auto auch nicht schier vor hitze und trockenem Mund eingegangen. Ich war jedenfalls heilfroh als ich endlich durch die schön kühle und teilweise domgrosse höhle kriechen durfte. Natürlich nicht ohne dass wir quasi sämtlichen anderen Touris erklärt haben, wie wir mit diesem fahrradähnlichen Gefährt an diesen Ort gelangt sind, 30 minütige Scherzereien mit dem Personal erledigt zu haben und selbiges nach der Höhlenbefahrung noch auf dem Parkplatz durch die Gegend zu fahren. (Wobei ich es immer sehr geniesse, Leute dazu zu bringen, mitzufahren und - falls dann jemand mitfährt der sehr an der Sicherheit des Gefährts zweifelt - so zu tun als ob man gleich die steile strasse runterrasen und die person statt mit dem wartenden bus mit dem rad nach hause bringen wird. Oder gleich nach äthiopien. Die ungläubigen und panischen Angstquietscher sorgen dann bei den umstehenden für eine sehr heitere stimmung, naja eigentlich lacht dann jeder drüber, eine person halt erst nachdem sie wieder festen boden unter den füssen hat sonst wär das schon bisschen fies. "Alright i'll bring you home and you don't have any control, just show me where to go".

Nach der Höhle dann ab in ein malerisch gelegenes Klettergebiet auf einem wie hier üblich gigantischen Zeltplatz den wir quasi für uns hatten. Bis auf ein kanadisches Pärchen jenseits der 60, die mehr interessante und verrückte Reisegeschichten auf lager hatten als ich jemals live von einer anderen Person gehört habe. Was für unterschiedliche Menschen man doch auf Reisen kennenlernt und was für unglaubliche Geschichten man dabei hört. "And some people, they watch TV". Die 2 haben dann geschichten erzählt von ihrer Reise nach Patagonien entlang der Panamericana, Reisen nach Eritrea und an die abgelegensten Stellen im Sudan, 4 Tage Anfahrt und dann feiern mit einem Eingeborenenstamm. Und man merkt irgendwie dass sich an diesem Lebensstil und der Einstellung zum Reisen selbst im Alter nicht so viel geändert hat, so wie sie da abends einträchtig neben ihrem minimalistischen 2 Personen zelt sitzen und vollkommen damit zufrieden sind, mehrere Stunden lang die Berge und den Sonnenuntergang zu betrachten, der die Berge rot färbt, anstatt daheim einen Fernsehbildschirm. Das gibt auf eine Art und Weise ein Bild von Ruhe und Zufriedenheit ab, wo man sich selbst automatisch auch gut fühlt. Ein Gefühl, dass Glück mit sehr einfachen und wenigen Dingen erreicht werden kann, wenn man es zulässt.

Einen tag später ist dann der Rainer, ein Freund aus Tübingen zu uns gestossen und wir konnten mit dem klettern loslegen. Nach einem Tag bei oudtshoorn in höhlenähnlichen wandstrukturen mit vielen schmerzhaften sintern haben wir uns dann entschieden den trip zurück in die cederberge im westen südafrikas doch noch zu wagen. Die erste Station des Rückwegs war der Swartbergpass, den wir dann abwechselnd mit dem auto und dem rad runtergefahren sind. Dabei handelt es sich um ein weiteres Weltnaturerbe, eine Passstrasse (geniales wort- stimmt das so?) die in eine Schlucht hinunterführt, wo selbst Nichtgeologen der Mund offenstehen dürfte. 100e meter hohe wände aus orangerotem geschichteten sandstein der in alle möglichen richtungen verfaltet wurde. Und das zieht sich in jede Richtung, schon oben vom Pass wo man eine sehr gute Weitsicht hat, sieht man kein Ende.

Auf der anderen Seite vom Pass dann schnell das Fahrrad auseinandergeschraubt und weiter nach montagu (wo ich ursprünglich den merlin aufgelesen hatte) und dort nochmal klettern. Dann gings weiter mitten in die cederberge, nach Truitjieskraal, einem sehr abgelegenem und wunderschönen kleinen Zeltplatz mitten im Nirgendwo. Auf den Hochflächen stehen dort Felsformationen mit den abgefahrensten Formen herum, man fühlt sich ein bisschen als würde man auf Sandboden in einer riesigen orangenen Burgruine herumirren. Praktischerweise kann man dort auch klettern und nach einem Tag mehrseillängentour am Rooiberg, dem Roten Berg gings dann weiter zu meiner Main Destination in Südafrika: Rocklands, das Bouldermekka. Tja was soll ich dazu sagen, es ist gewaltig, der grösste Spielplatz den ich je gesehen habe und wunderschön. Keine Städte, keine Dörfer, die Strasse ist ausgestorben und ab und zu fährt ein eselskarren auf dem sandweg durch die Bouldergebiete auf dem Pass. Wir sind umgeben von mehr Fels als man irgendwie erfassen kann und wenn die Sonne untergeht wird die Atmosphäre gigantisch: Dadurch dass es hier quasi kein Störlicht gibt kommen die Farben der Sonnenuntergänge noch viel besser zur Geltung und die Felsen werden dann zu Festungsähnlichen Silhouetten, während langsam unglaublich viele Sterne zwischen den Felsen aufgehen.
So lässt es sich auf jeden fall aushalten und die nächsten 2 wochen haben gezeigt, dass man dort auch im sommer bei 35 grad noch gut bouldern kann. Schliesslich hat es mich noch einen relativ hohen block (aus mangelndem kletterkönnen bzw waren die schuhe schuld) runtergehaun und so richtig mit der ferse neben die pads auf einem stein zusammengestaucht. Das war erstmal nicht so gut und ich hab mich gefühlt als wär ich grad böse verprügelt worden. Dann noch die angst, hoffentlich ist nichts schlimmeres, kann ich bald wieder radfahren und was mache ich jetzt die nächsten tage ohne zu laufen in den rocklands während alle bouldern gehen. Einen halben tag hab ichs hüpfend auf einem bein und mit ordentlichen schmerzen ausgehalten dann bin ich im sonnenuntergang zur hauptstrasse vor mit dem rad und habe die kinder der farmarbeiter hin und hergefahren. War irgendwie klar.

Dank merlins krückenbauerfähigkeiten hab ich mich die nächsten tage dann schon wieder zu den klettergebieten geschleppt und alles war einigermassen gut, ausser dass die kletterschuhe so verdammt eng sind.
So ging dann auch die kletterzeit in Südafrika ihrem ende zu und ein letzter tag in Kapstadt, um auf einer traditionell abzusichernden mehrseillängentour den Tafelberg zu besteigen war ein würdiger abschluss. Auf in den Osten und endlich wieder radeln!

Image: