Monika's travel report (Serbia)




Here is a detailed article from Monika about our time from belgrade to the iron gate (in German):

Liebe Leser und Leserinnen,

zu meiner großen Freude durfte ich Patrick Kaiser ein Stück seiner Reise mit dem Tandem nach Indien begleiten!
Wir haben uns am 27.07. in Belgrad am Bahnhof getroffen. Für die Anreise habe ich mir ein Ticket erster Klasse geleistet und das hat sich gelohnt, denn ich war viele Stunden alleine im Abteil und konnte mich gemütlich auf den Sitzen ausstrecken. In Belgrad angekommen habe ich mir erst einmal ein paar Minuten Sorgen gemacht, wo Patrick bleibt. Dann plötzlich ein Klingeln neben mir und er war da, mit seinem außergewöhnlichen Tandem! Damit hatte er die Bahnhofskinder ein paar Runden spazieren geführt. So ein Tandem hatte ich noch nie gesehen bzw. gespürt. An den Lenkerstangen flattern lustige bunte Wunschbänder mit den guten Wünschen seiner Freunde. Der Sitz für den/die BeifahrerIn ist vorne und erinnert an einen Gartensessel. Man bekommt also nie Gesäßschmerzen, sondern sitzt sehr bequem. Zwischen den Beinen hat man eine waagrechte Stange, an deren Ende vorne die Pedale befestigt sind. Die Beine hält man beim Treten waagrecht. Es gibt keinen Lenker für den/die BeifahrerIn, sondern nur 2 kleine Griffe auf Höhe der Sitzfläche. Patrick sitzt recht knapp dahinter. Das Vorderrad befindet sich unter den Beinen des/der Vorderen. Dadurch kann es bei scharfen Kurfen passieren, dass man mit der Ferse am Reifen streift. Ganz hinten auf dem auffälligen Gefährt ist wie ein langer Schweif eine dünne Stange mit einer Peace Fahne ganz oben befestigtt. Während unserer Reise haben uns laufend freudige Zurufe und "Daumen hoch" Zeichen aus Autos und von anderen Verkehrsteilnehmern begleitet.
Patrick ist ein außergewöhnlich freundlicher, optimistischer und sozialer Mensch! Seine Gesellschaft war ein Vergnügen! Mit seiner freundlichen offenen Art hat er die Menschen immer schnell zum Auftauen gebracht.
Am ersten Abend haben wir die Fußgängerzone von Belgrad besucht, die Geräuschkolisse ist ähnlich wie in wien, abgesehen davon, dass man hier noch Menschen hören kann, die spontan Volkslieder anstimmen. Am Morgen ging es los mit dem Tandem. Nach 10 Minuten hatten wir den ersten Unfall. Bei einer großen Kreuzung kamen wir in die Straßenbahnschienen und fielen um. Glücklicher Weise ist uns nichts passiert. Die Lenkung des Tandems war aber gebrochen. Wir waren etwas verzweifelt, denn die Teile für dieses Spezialrad müsste man sich aus Deutschland schicken lassen, was 10 Tage gedauert hätte. Wir fanden eine kleine Werkstatt, wo sich sofort einige Serben um unser Rad bemühten. Sie konnten es aber nur notdürftig richten, indem sie eine Rohrschelle am Lenker montierten. Sie waren sehr freundlich und haben uns die Schelle sogar geschenkt! Dann fragten wir uns nach einer größeren Werkstatt durch. Patrick und 4 Serben beratschlagten und zerlegten schließlich die Lenkung. Sie konnten den beschädigten Teil ausbauen. Der war aus Alu und konnte in der Werkstatt nicht repariert werden. Ein besonders netter Serbe, der unser Problem schon bei der ersten Werkstatt mitbekommen hatte, war uns inzwischen nachgekommen und hatte seine Freundin Jellena mitgebracht. Die beiden führten uns mit ihrem Auto zu einer Schweißschule, wo der Teil geschweißt werden konnte. Das Tandem mit unserem Gepäck inkl. unserer Pässe ließen wir einfach vor der Werkstatt am Gehsteig stehen. Da hat mich Patrick mit seinem Glauben an das Gute in den Menschen angesteckt und es kan wirklich nichts weg. In der Schweißschule wollten sie kein Geld von uns nehmen und haben uns die Reparatur einfach geschenkt. Angesichts von so viel Hilfsbereitschaft gegenüber Fremden, die nicht einmal die Landessprache können, war ich etwas beschämt und habe mir vorgenommen zukünftig selbst viel hilfsbereiter zu Fremden zu sein.
Nachdem der Teil wieder eingebaut war, gingen wir mit Jellena und Dejan essen. Die beiden sprachen gut Englisch. Trotz ihrer fröhlichen und unbeschwerten Art haben wir auch über die Probleme in Serbien gesprochen. Jellena hat Architektur studiert und arbeitet jetzt als Servierkraft in einem Cafe. Die Arbeitslosigkeit ist sehr hoch. Sie hat mir erklärt, dass man mit €400 im Monat ganz gut leben kann, wenn die Fixkosten wie Miete nicht hinein gerechnet werden. Wir haben Telefonnummern und Mailadressen ausgetauscht und ich hoffe sehr, dass die beiden mich einmal in Wien besuchen kommen. Mittlerweile war es Abend geworden. Dejan zeigte uns mit dem Auto den richtigen Weg aus Belgrad heraus. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mich in dem Verkehr etwas gefürchtet habe und das Stück lieber im Auto mitgefahren bin. Wir haben aufs linke Donauufer gewechselt und dort den Damm gefunden, auf dem der Radweg verläuft. Mit unserem gewohnten Standard kann man ihn natürlich nicht vergleichen. Es gab viele Schlaglöcher und es war eine "Holperpartie". Immer wieder mussten wir den Damm verlassen, weil es dort nicht weiter ging und auf Autostraßen wechseln. Die vorbei donnernden LKWs mit ihrem kräftigen Luftzug haben mir Angst gemacht. Patrick war das schon gewöhnt und es machte ihm nichts mehr aus. Durch das vorne Sitzen ohne Lenker und ohne irgendeinen Fahrradteil vor meinem Körper fühlte ich mich irgendwie ungeschützt.
Als es dunkel war, fragten wir einen Einheimischen nach einer Unterkunft. Er freute sich - wie viele, denen wir später begegnet sind, uns zu erzählen, dass er in Wien gearbeitet hatte und sprach uns stolz mit ein paar deutschen Worten an. Zuerst rief er seine Cousine an, ob sie ein Zimmer frei hätte, dann begleitete er uns ein Stück zum Augebiet an der Donau, wo wir zelteln sollten. Mit seinem völlig unbeleuchteten Fahrrad fuhr er uns auf der Straße voraus und hielt sein Handy als Rücklicht hinter sich. Als sein Cousin anrief, gabf er Patrick das Handy, weil der Cousin perfekt Deutsch sprach und die beiden unterhielten sich. Slavish zeigte uns eine Wiese neben dem Überschwämmungsdamm, die er für einen geeigneten Zeltplatz hielt. Wir sollten uns nicht wundern, in der Früh würden die Schafe kommen. Auch er gab uns seine Telefonnummer für den Fall, dass wir Hilfe brauchen sollten.
Wir radelten noch einige Kilometer im Dunkeln den Damm entlang. Linker Hand waren hauptsächlich Wiesen, rechts von uns das Überschwämmungsgebiet mit Auwald. Kein Mensch weit und breit, nur das Zirpen der Grillen, das aber sehr laut. Schließlich sah Patrick einen Weg Richtung Donau in den Wald hinein. Wir stiegen ab um zu Fuß zu erkunden. Als wir auf ein in der Au geparktes Auto stießen, drehten wir wieder um und fuhren weiter. Bald darauf trafen sich links vom Damm in der Wildnis 2 Autos, die Türen knallten und wir radelten schnell weg um nicht zu stören, was auch immer die dort wollten. Dann kündigte sich die nächste Ortschaft durch das Gebell vieler Hunde an. Es dürfte sich um Ivanova gehandelt haben. Hier fanden wir wieder einen Weg Richtung Donau und gelangten zu einer Wiese am Ufer. Patrick baute das Zelt auf und zauberte mit seinem kleinen Kocher eine wohlschmeckende Suppe. Ich saß vor dem Zelt und lauschte der Donau und den Tieren der Nacht. Lange habe ich nicht so herrlich geschlafen wie hier im Auwald beim lauten und beruhigenden Grillengezirpe!
Am nächsten Morgen nahmen wir ein Bad in der Donau. Ein Fischerboot tuckerte vorbei. Ohne die vielen leeren Plastikflaschen wäre es die reine Idylle gewesen. Da Patrick sich sehr mit der Problematik von Plastikmüll auseinandersetzt und auch mir der Umweltschutz ein großes Amliegen ist, sammelten wir ca. 20 Flaschen auf und ich trug sie die nächsten 20km in einem Sack vorne am Rad in der Hand. So weit war es bis zum nächsten Mistkübel.
Bei der Vormittagseinkehr im Kaffeehaus bestellte ich „One Cofe and a glass of water" und erhielt einen Kaffee und ein Glas Vodka. Dieses Getränk erfreut sich in Serbien großer Beliebtheit und ich habe es auch nicht weggeschüttet wink emoticon
Wegen meiner Knieverletzung, die ich mir heuer beim Skifahren zugezogen hatte, mussten wir die Radkette verlängern lassen, damit ich die Beine beim Treten ganz ausstrecken konnte. Wir fragten also wieder nach einer Werkstätte und es begleitete uns wieder ein Pärchen dorthin. Sie fragten uns höfklich, ob wir schon gegessen hätten, denn sie würden jetzt etwas essen gehen. Die serbische Gastfreundschaft und Höflichkeit ist wirklich viel ausgeprägter als bei uns. Wir bekamen bei der Werkstatt 4 Kettenglieder geschenkt, die sie uns kostenlos einbauten. Während dessen gab ich einem jungen sehr durstigen Hund 1,5l von meinem Wasser zu trinken. Während die Serben zu uns Menschen so herzlich und freundlich waren, hatten sie für die lebensnotwendigen bedürfnisse der Hunde kein Gefühl.
Am Ortsrand von Dubovac, wo die Straße nicht asphaltiert war, nahmen wir wieder ein Bad in der Donau, die dort ca. 1,5km breit und mit vielen Algen verwachsen ist. Am Ufer war eine junge Serbin mit dem Herrichten von Fischködern beschäftigt. Das Fischerboot lief aus und die Frau namens Merceda unterhielt sich mit uns. Allerdings konnte sie nur serbisch und wir gerade 3 bis 5 Worte. Nach kurzem lud sie uns zu sich in den Garten zu einem Kaffee ein. Sie war, wie alle, beeindruckt, weil Patrick bis Indien radeln will. Sie bat ihn zum Andenken um ein Wunschband vom Rad, das sie sich dann ums Handgelenk band. Mit dem Handy fotografierte sie das Tandem und uns mit ihr zusammen. Ich hatte den Eindruck, dass unsere Durchreise das spannendste war, das seit längerem dort passiert ist.
An diesem Tag radelten wir noch bis Stara Palanca, wo wir in einer Pension übernachteten. Am nächsten Morgen nahmen wir die Fähre aufs rechte Donauufer. Dabei begegneten wir einem Schweizer Unternehmer um die 40 oder 50, der mit 2 Freunden nach Tailand radelt. Anders als Patrick, dem es in erster Linie um die zwischenmenschlichen Begegnungen geht, fährt der Schweizer 150km am Tag und plant zu Weihnachten in Tailand zu sein. In Istambul wird er seine Freunde treffen und dann radeln sie zu dritt weiter.
Am rechten Donauufer gab es kein Augebiet mehr, sondern Uferpromenaden, ab und zu ein Restaurant am Wasser und Badeplätze mit Stiegen. Die haben wir natürlich auch gerne genutzt, denn es war sehr heiß. Schließlich erreichten wir Golubac und damit den Beginn des eisernen Tors und des Djerdap Nationalparks. Wir radelten auf der Straße die Donau entlang. Rechts erheben sich steile Felswände und steiler Wald. LKWs und Autos brausten immer wieder an uns vorbei. Links liegt die Donau, die hier nur noch halb so breit ist wie bisher. Dafür wird sie immer tiefer. In Brnica kauften wir wieder Obst, Paradeiser und Käse ein. Die Käseauswahl wurde im Laufe der Reise immer geringer. Das Obst und Gemüse schmeckt hervorragend. Es gibt noch kaum die bei uns üblichen Supermarktketten in Serbien. In einem kleinen Geschäft haben wir die besten Pfirsiche gefunden, die ich je gegessen habe!
Einige Kilometer nach Brnica fanden wir einen Campingplatz und schlugen unser Zelt auf. Ich habe schnell die dort lebenden verhungerten Sträunerhunde ins Herz geschlossen. Bald wichen sie nicht mehr von meiner Seite und ich konnte den Campingplatz nicht verlassen ohne zu riskieren, dass sie zusammengeführt werden, weil sie unserem Tandem auf die Straße nachliefen.
Wir lernten dort zwei nette Mädels aus Österreich kennen, die mit dem Rad von Linz nach Istambul reisten. Eine studiert Sozialpädagogik, die andere reist seit 2,5 Jahren durch die Welt und sucht ihren Weg. Gemeinsam mit einem rumänischen Pärchen und den beiden Freundinnen tranken wir etwas Vodka, den hatte uns der Campingplatzverwalter überlassen und wir plauderten den ganzen Abend. Es waren nur ganz wenige Leute am Campingplatz und es war sehr gemütlich. Es empfiehlt sich aber ein gutes Immunsystem mitzubringen, da die Duschen und WCs anscheinend sehr selten gereinigt wurden. Trinkwasser gab es auch nicht. Das Wasser aus den Hähnen roch eigenartig und ich überlegte, ob das Donauwasser bekömmlicher wäre. Ich wollte noch bei den Hunden bleiben und sie gut füttern. Deshalb blieben wir noch zwei Tage dort. Hier holte mich dann ein lieber Freund aus Wien mit dem Auto ab und wir fuhren nach Hause. Birgit aus Österreich war auch eine Hundefreundin und lenkte die Vierbeiner mit Futter ab, sodass wir doch wegfahren konnten.
Für mich war es eine wunderbare und spannende Woche, die mir viel Energie gegeben hat. Patrick mit seinem Optimismus und seiner Begeisterung für das Gute ist ansteckend und wohltuend.
Liebe Grüße an alle, die meinen ausführlichen Bericht bis zum Ende durchgelesen haben!
Monika

 

 

 

 

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